Kinderhaut: Warum Kinder keine großen Babys oder kleine Erwachsene sind

Kinderhaut: Warum Kinder keine großen Babys oder kleine Erwachsene sind

Bevor wir mit dem Entwickeln unserer Pflegeprodukte starteten, suchten wir den intensiven Austausch mit unserer Community.

Dabei ging es nicht darum, dass Produkte für Kinder gänzlich fehlen oder diese unpassend formuliert sind. Die Themen die Eltern beschäftigen waren eher:

  • Unbeliebte Produkt, die Kinder nicht gern benutzen 
  • Schlechte Ergonomie, so dass Kinder beim Pflegen die Hilfe Ihren Eltern benötigen
  • Qualitätsansprüche an die Produkte, die ungenügend erfüllt werdem (z.B. vegan, nachhaltig)

Dass es aber auch bei den Rezepturen viel zu verbessern gibt, hatten die Eltern nicht so sehr auf dem Radar. Hauptgrund: Fehlendes Bewusstsein, fehlendes Wissen, fehlende Aufklärung seitens der Kosmetikindustrie, dass auch beim Thema Haut Kinder keine großen Babys oder kleinen Erwachsenen sind. Sondern in ihrer Entwicklung spezifische Anforderungen und Hautbedürfnisse haben.

Deshalb möchten wir in diesem Blog-Artikel ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Kinderhaut etwas Besonderes ist und auch besondere Pflege braucht.

Was tut die Haut eigentlich?

Unsere Haut hat als Organ zwei zentrale Funktion: Erstens verhindert sie wie eine Art Schutzschild,  dass Fremdstoffe oder Mikroorganismen in unseren Körper eindringen. Zweitens verhindert sie, dass wir Wasser verlieren – da wir größtenteils aus Wasser bestehen, ist das eine sehr wichtige Eigenschaft. Eng damit verbunden ist auch die Steuerung des Wärmehaushalts.

Mit steigendem Alter, wird die Haut besser darin, diese und ihre zahlreichen anderen Aufgaben (wie z.B. Schutz vor Verletzungen) zu übernehmen. Teilweise ändert sich auch nur, wie die Haut diese Aufgaben erfüllt.

Wie findet man Altersunterschiede heraus?

Hierzu gibt es eine ganze Menge innovative Forschungsverfahren, die beispielsweise auf einer Beobachtung oder Vermessung der Haut, Hautdicke oder -struktur mittels Mikroskop oder Laser basieren als auch messen, wie gut die Haut eine Aufgabe ausführt, zum Beispiel die so genannte TEWL-Messung („transepidermal water loss“), bei der man misst, wie viel Wasser der Körper durch die Haut an die Umgebung verliert.

So kann man über gut vergleichbare Parameter einen Eindruck für Altersunterschiede bekommen.

Und was sind die großen Unterschiede?

Die Haut verändert sich das ganze Leben: Die Haut von Kindern liegt in Bezug auf ihren Entwicklungsstand natürlich irgendwo zwischen Babys und Erwachsenen. Einige Bestandteile sind bereits im vierten oder fünften Lebensjahr nahezu ausgereift. Einige Funktionen entwickeln sich aber erst in der Pubertät auf den Stand eines Erwachsenen. 

So ist der Säureschutzmantel, der die Schutzfunktion der Haut unterstützt, bereits bei Kindern vollständig entwickelt. Andere Bereiche, wie beispielsweise die Speicherung von Feuchtigkeit und die Barriere gegen Wasserverlust, funktionieren bei Kindern meist noch nicht wie bei Erwachsenen.

Auch die Dicke der Haut verändert sich deutlich mit steigendem Alter. Ältere Studien die besagen dass die Haut von Babys fünfmal so dünn ist wie die von Erwachsenen scheinen zwar überholt, jedoch ist der aktuelle Konsens dass diese zumindest 20-30 % dünner ist als die von Erwachsenen1.

Eng damit verbunden ist der Wasserhaushalt der gerade bei Babys enorm dynamisch ist. Babys haben zwar eine sehr hohe Hautfeuchtigkeit und können auch relativ viel Feuchtigkeit speichern, verlieren diese jedoch auch wieder sehr viel schneller als Erwachsene.

Wir haben versucht, die wissenschaftlichen Fachartikel1,2,3,4 in dem Bereich in dieser Tabelle zusammenzufassen:

Anatomie
Babys und Kleinkinder Kinder 4-12 Jahre Erwachsene
3 Hautschichten
Hautdicke ausgereift* 20-30% dünner
Barrierefunktion vollständig ausgereift (✖) (✓)
Mechanische Kohärenz / Stabilität gering mittel voll ausgereift
Talgdrüsen ausgebildet (✓)
Schweißdrüsen ausgebildet
Pigmentzellen vorhanden
Geschlechtsspezifische Unterschiede

*abhängig von Hautschicht und Körperregion 

Physiologie
Babys und Kleinkinder Kinder 4-12 Jahre Erwachsene
Schutzmechanismen der Haut gering mittel voll ausgereift
Talgdrüsen aktiv inaktiv mittel
Schweißdrüsen aktiv Im 1. Lebensjahr
Säureschutzmantel stabil*
pH-Wert* 6,5 5,5-4,5 5,5-6,0
Vollständige NMF-Verfügbarkeit** (✓)
Feuchtigkeitsspeicher in der Haut hoch mittel mittel-gering
Wasserverlust durch die Haut*** hoch mittel-gering gering
Melaninproduktion gering mittel hoch

*der Säureschutzmantel und der pH-Wert der Haut von Neugeborenen weicht deutlich von Werten im ersten oder zweiten Lebensjahr ab; in dieser Zeit nähert sich der Wert früh dem pH-Wert von älteren Kindern an

**Natural Moisturizing Factors, schützen und hydratisieren die äußere Schicht der Haut

***Transdermaler Wasserverlust / TDWL durch Verdampfen durch die Haut, nicht zu verwechseln mit Schwitzen

Das ist die Zusammenfassung diverser Fachartikel, aber…

…die Tabelle oben vereinfacht die Realität: In den meisten Studien zu Kinder- und Babyhaut zeigt sich, dass die Messwerte für Kinder gleichen Alters sehr unterschiedlich sind. Gerade bei Babys ist das sehr ausgeprägt, weil sich die Haut im ersten Lebensjahr schnell an die kalte Realität außerhalb des kuscheligen Bauchs der Mama anpasst, aber auch, weil bestimmte Untersuchungsmethoden bei Säuglingen in der Praxis sehr viel störenden Einflüssen unterliegen1,4. 

Und wenn es in Richtung Teenie geht, kommt durch eine unterschiedlich früh einsetzende Pubertät sowie die damit verbunden Geschlechterunterschiede wieder reichlich Bewegung in die Daten, was die Forschung aufwendig macht.

Daher handelt es sich hier wirklich nur um Richtwerte – in der Praxis sind Abweichungen ganz normal und kein Grund zur Sorge, vor allem nicht, wenn sich das Kind wohlfühlt.

Das Gute ist aber: Zu Baby-Haut gibt es viel Forschung. Ältere Kinder, also am dem vierten Lebensjahr, finden in der Forschung viel weniger Beachtung. Es gibt viel Forschung, die belegt, dass die Haut von Kindern mit 4 oder 5 Jahren in Bezug auf bestimmte Parameter anatomisch ausgereift ist2, auch wenn die meisten Nicht-Mediziner insgesamt große Unterschiede zwischen der Haut und den Hautbedürfnissen eines Fünfjährigen und eine Fünfzigjährigen feststellen werden.

Einige Dermatalogen verweisen hinter vorgehaltener Hand auch darauf, dass es für die Forschung an Babyhaut mehr Förderung durch die Industrie gibt, weil Babys und ältere Erwachsene finanziell spannendere Zielgruppen sind.

Warum ist das wichtig für die Hautpflege?

Gute Pflegeprodukte sollten die Haut bestmöglich in ihrer Funktion unterstützen. So fühlt man sich wohl. Baby- und Erwachsenenprodukte sind jedoch nicht für die Haufbedürfnisse von Kindern entwickelt, weshalb diese Produkte je nach Intensität der Nutzung wenig hilfreich oder sogar schädlich für die Haut von Kindern sein können. Das sind die typischen Probleme:

  • Überpflege durch Baby- oder Erwachsenenprodukte: Babyprodukte sind häufig sehr stark feuchtigkeitsspendend, weil Babyhaut schneller Feuchtigkeit verliert, während Cremes für Erwachsene häufig viele Öle und Fette enthalten, um die alternde Haut geschmeidiger zu halten; gerade bei täglicher Nutzung solcher Produkte durch Kinder gibt es schnell eine Überversorgung oder sogar ein Nachlassen der Produktion körpereigener Lipide..
  • Fehlversorgung durch spezifische Formulierungen: Das klassische Beispiel ist hier der pH-Wert von Erwachsenenprodukten. Weil der Säureschutzmantel der Haut von Erwachsenen mit steigendem Alter etwas an Kraft verliert und die Haut weniger sauer wird, helfen hier viele Kosmetikprodukte nach und sind bewusst etwas saurer formuliert (was sinnvoll ist); Kinder brauchen diese zusätzliche Säure aber nicht, weil ihr pH-Wert bereits eher niedrig ist (ihre Hautoberfläche ist also saurer); noch mehr Säure kann hier schaden
  • Fehlende Pflege oder Austrocknung durch Erwachsenenprodukte: Gerade günstigere Erwachsenen-Pflegeprodukte enthalten nur wenig pflegende oder nur oberflächlich pflegende Substanzen – Papas Shampoo macht die Haare nach dem Spielplatztag vielleicht bestens sauber, aber die Tenside trocknen die zarte Kopfhaut von Kindern schnell aus.
  • Zu viel Reinigung: Wird die Haut zu viel – sogar mit milden Produkten – gereinigt, schädigt dies die natürlichen Lipide der Haut und die Balance zwischen Fett- und Wasseranteilen wird gestört. 

Klassische Symptome dieser Probleme sind Rötungen, insbesondere um den Mund oder an den Augenpartien, manchmal auch kleine Pickel oder Mitesser – und natürlich Trockenheit, häufig in Verbindung mit lokalem Juckreiz.

Das war ein kurzer Abriss zu den Besonderheiten der Haut von Kindern. Gute Pflegeprodukte für Kinder entstehen aber nicht nur durch die Inhaltsstoffe. Während bei Babys noch die Eltern die Körperpflege machen und damit die Anwendung selbst in der Tat haben, sieht es bei älteren Kindern ganz anders aus. Hier müssen die Kinder mitmachen!

So rücken hier neben den Inhaltsstoffen noch ganz andere Aspekte in den Vordergrund: Die Ergonomie, damit Kinder die Produkte eigenständig verwenden können, aber auch das Thema Spaß, der sicherstellt dass Kinder die Produkte auch gerne verwenden. Hierauf werden wir im weiteren Blog-Artikeln eingehen.

 Quellen:

1) “Vergleich: Säuglings- und Erwachsenenhaut: Unterschiede größer als gedacht”; Dr. Matthias Hauser; COSSMA 11/2013

2) “Developmental Changes in Skin Barrier and Structure during the First 5 Years of Life”; Russel M. Walters, Preeya Khanna, Melissa Chu, M. Catherine Mack; Skin Pharmacology and Physiology 2016; 29:111–118

3) “Direct comparison of skin physiology in children and adults with bioengineering methods”; J W Fluhr, S Pfisterer, M Gloor; Pediatric Dermatology Nov-Dec 2000; 17(6):436-9.

4) “Infant skin physiology and development during the first years of life: a review of recent findings based on in vivo studies”; G. N. Stamatas*, J. Nikolovski, M. C. Mack and N. Kollias; International Journal of Cosmetic Science, 2011, 33, 17–24

5) “Statistical analysis of age-related skin parameters”; Hong Meng, Weixuan Lin, Yinmao Dong, Li Li, Fan Yi, Qingyang Meng, Yue Li, and Yifan He; Technology and Healthcare 2021; 29(Suppl 1): 65–76


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